Vorhofflimmern früh erkennen

Für Ihre Gesundheit ist es von großer Bedeutung, ein Vorhofflimmern frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Dadurch kann ein vermehrtes Auftreten von Flimmerepisoden verhindert und das Schlaganfallrisiko deutlich verringert werden. Nehmen Sie jedes Anzeichen für Vorhofflimmern ernst und suchen Sie rechtzeitig einen Arzt auf. Er kann durch sorgfältige Diagnose Herzrhythmusstörungen feststellen: Das beginnt bei einfachen Maßnahmen wie der Messung des Pulses, geht über Kurz- und Langzeitaufzeichnungen der Herzkurve (EKG) bis hin zur Überwachung der Herzaktion mittels implantierbarer Ereignisrekorder.

Viel zu oft bleibt Vorhofflimmern unbemerkt. Gibt es bei Ihnen Faktoren, die das Auftreten von Vorhofflimmern begünstigen (s. Tabelle S. 8), ist es sinnvoll, dass Sie Ihren Arzt im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung darauf ansprechen. Da Vorhofflimmern besonders häufig ältere Menschen betrifft, empfiehlt die Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC) in ihren aktuellen Leitlinien, bei allen Patienten über 65 Jahre eine Vorsorgeuntersuchung zum Vorhofflimmern durchzuführen. Dabei sollten der Puls gemessen und ein Ruhe-EKG aufgezeichnet werden.

Im Rahmen der Herzuntersuchungen wird der Arzt außerdem feststellen, ob die Herzfunktion durch Grunderkrankungen wie z. B. eine Herzerkrankung, Diabetes oder Bluthochdruck beeinträchtigt ist. Die Therapie dieser Erkrankungen ist eine wesentliche Voraussetzung, um langfristig das Risiko für weiteres Vorhofflimmern zu senken und damit einem Schlaganfall vorzubeugen.

Herzkurven im EKG

Die zuverlässige Diagnose des Vorhofflimmerns kann nur in einem Elektrokardiogramm, besser bekannt als EKG, gestellt werden. Das EKG registriert die elektrische Spannung, die während der Erregungsphase des Herzmuskels entsteht, und zeichnet diese Herzstromkurve auf. Der Verlauf der Kurve lässt die Stärke und Länge der Erregungsphase erkennen, so dass es möglich ist, Unregelmäßigkeiten beim Herzschlag festzustellen.

ekg

Gesunde Herzkurve im EKG Vorhofflimmern im EKG

Bei Vorhofflimmern ist die normalerweise regelmäßige Abfolge der Erregungsphasen gestört (s. Grafik).

Üblicherweise wird die Herzkurve zunächst über mehrere Minuten erfasst, während der Patient in Ruhe liegt oder sitzt. Daher bezeichnet man diese Untersuchung auch als Ruhe-EKG. Bei den meisten Patienten tritt Vorhofflimmern sporadisch in einzelnen Episoden auf. Liegen diese Episoden nicht innerhalb der Aufzeichnungsphase, bleibt das Vorhofflimmern unerkannt. Aus diesem Grund wird der Arzt bei Verdacht auf Vorhofflimmern ein Langzeit-EKG durchführen. Dabei wird die Herzstromkurve mittels eines tragbaren, batteriebetriebenen EKG-Geräts über einen Zeitraum von 24 Stunden, mitunter auch 72 Stunden aufgezeichnet. Allerdings kann auch beim Langzeit-EKG nicht ausgeschlossen werden, dass ein Flimmerereignis außerhalb des Aufzeichnungszeitraums fällt.

Langzeitüberwachung der Herzaktivität

Falls erforderlich können auch langfristigere Aufzeichnungen durchgeführt werden, um seltene und sporadisch auftretende Flimmerereignisse zu erfassen. Dies ist z. B. mit einem sogenannten externen Loop-Rekorder oder implantierbaren EKG-Systemen möglich. Wie ein Langzeit-EKG zeichnet auch der Loop-Rekorder kontinuierlich ein EKG auf. Allerdings werden die meisten Daten nach 30 Sekunden wieder gelöscht. Automatisch gespeichert werden nur die EKG-Episoden, in denen sich spezielle Veränderungen zeigen, die der Arzt zuvor definiert hat. Außerdem kann der Patient, wenn z. B. akute Beschwerden auftreten, diese Phasen per Tastendruck zur Speicherung markieren. Üblicherweise ist der Loop-Rekorder in einem Brustgurt untergebracht. Es gibt auch die Möglichkeit, Miniatur-EKG-Geräte mit Datenchip unter die Haut in Herznähe zu implantieren. Dieser Eingriff lässt sich meist im Rahmen einer ambulanten Operation durchführen. Ein implantierter Loop-Rekorder kann bis zu drei Jahre im Körper verbleiben. Damit ist die permanente Überwachung des Herzrhythmus über einen langen Zeitraum möglich.

Weiterführende Diagnostik zur Einleitung der Therapie

Hat sich der Verdacht auf Vorhofflimmern bestätigt, sind weitere Untersuchungen notwendig, um eine individuelle Therapie einleiten zu können. Zum einen muss der Arzt nach den Ursachen des Vorhofflimmerns suchen und mögliche Grunderkrankungen abklären. Zum anderen kann ein auf Herzerkrankungen spezialisierter Facharzt (Kardiologe) überprüfen, ob sich bereits Gerinnsel in den Vorhöfen gebildet haben und somit ein stark erhöhtes Schlaganfallrisiko vorliegt.

Zunächst wird Ihnen Blut abgenommen. Die Blutanalyse gibt Hinweise auf mögliche Funktionsstörungen und Erkrankungen von Schilddrüse, Leber und Nieren. Nach dem Ruhe-EKG folgt nun ein Belastungs-EKG. Dabei werden die Herzströme aufgezeichnet, während Sie sich körperlich anstrengen, z. B. auf einem Fahrradergometer in die Pedale treten. An der Herzkurve kann der Arzt bestimmte Herz-Kreislauf-Erkrankungen, u. a. Herzschwäche oder Bluthochdruck, erkennen. Der Kardiologe wird eine Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiographie) durchführen. Anhand des Ultraschallbildes ist es möglich, Herzstruktur und Herzfunktion zu beurteilen und weitere Herzerkrankungen abzuklären.

Neben der Standard-Echokardiographie, bei der das Ultraschallgerät von außen über die Brust geführt wird, gibt es weitere Diagnoseverfahren, die manchmal zum Einsatz kommen. Beim sogenannten Schluckecho, medizinisch transösophageale Echokardiographie (TEE), erfolgt die Ultraschalluntersuchung über einen Schallkopf, der mittels Schlauch in die Speiseröhre geführt wird. Solch ein Schluckecho erlaubt einen hochauflösenden Blick auf die Herzklappen und die Vorhöfe, so dass selbst kleinere Blutgerinnsel erkennbar sind.

Broschüre zum Thema
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Die Deutsche Seniorenliga hat in Kooperation mit Bayer Health Care eine Informations-broschüre zum Thema "Vorhofflimmern" herausgegeben.

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| Ablauf eines EKG |

Auf Armen, Beinen und dem Brustkorb des Patienten werden Elektroden aufgebracht, die die elektrischen Impulse des Herzschlags von der Körperoberfläche ableiten. Das EKG-Gerät verstärkt diese Impulse und stellt den Erregungsablauf auf einem Monitor dar oder zeichnet ihn über einen Schreiber auf einem Papierstreifen auf.

blut

| Labordiagnostik |

Vor der Therapie wird eine umfangreiche Blutuntersuchung durchgeführt. U. a. werden Gerinnungsfaktoren, Blutzucker, Nieren- und Leberparameter sowie Entzündungszeichen abgefragt.

ultraschall

| Ultraschalluntersuchung |

Mit einer Ultraschalluntersuchung des Herzens – kurz: Herzecho – erhält der Arzt wichtige Informationen zur Funktionsfähigkeit des Herzens. Auch mögliche Gerinnsel sind auf dem Ultraschallbild zu erkennen.