Vorhofflimmern

Vorhofflimmern ist die häufigste Form der Herzrhythmusstörung. Die Dunkelziffer ist hoch und die Zahl der Betroffenen lässt sich nur schätzen. Man geht davon aus, dass 2 bis 3 Prozent der Gesamtbevölkerung, bei den über 70-Jährigen sogar über 10 Prozent daran leiden. Entsprechend der Bevölkerungsentwicklung wird die 2,5-Millionenmarke schon bald überschritten sein.

Vorhofflimmern entsteht, wenn sich in den Herzvorhöfen kreisende, sich ständig verändernde Erregungswellen bilden. Dadurch kommt es zu einer schnellen, unkontrollierten Anspannung und Entspannung der Muskulatur in den Vorhöfen. Man sagt, die Vorhöfe "flimmern". Dieses Flimmern beeinträchtigt die Pumpfunktion des Herzens und bringt den geregelten Durchfluss des Blutes ins Stocken.

Vorhofflimmern

vorhofflimmern

Beim Vorhofflimmern ist der geordnete Ablauf gestört. Im Bereich der Vorhöfe haben sich zusätzliche kreisende Erregungen gebildet, die den Impuls des Sinusknotens überlagern. Es entsteht ein elektrisches Chaos an Reizen. Die Vorhöfe schlagen dadurch nicht mehr rhythmisch. Sie „flimmern“. Dieses Flimmern überträgt sich auf die Herzkammern. Der Pulsschlag wird unregelmäßig. Das Blut wird nicht mehr richtig weitergepumpt.

Ursachen und Risikofaktoren

Doch wie kommt es zu den störenden Erregungswellen? Die Ursachen können ganz unterschiedlich sein. Manche Erkrankungen des Herzens und des Gefäßsystems (z. B. Entzündungen des Herzmuskelgewebes und der Herzklappen, schlecht schließende Herzklappen, eine Verengung der Herzkranzarterien (koronare Herzkrankheit)) wirken sich auf die Pumpleistung des Herzens aus oder führen zu einer Veränderung der Gewebestruktur. Dadurch kann an manchen Stellen die normale Erregungsleitung blockiert sein oder sich verzögern, so dass unerwünschte Impulse ausgelöst werden.

Symptome

Mitunter tritt das Vorhofflimmern ganz spontan, anfallsartig auf: Das Herz beginnt zu rasen und zu stolpern, viele Betroffene verspüren Unruhe und Angst und fangen plötzlich an, stark zu schwitzen. Außerdem lässt die Leistungsfähigkeit nach und man fühlt sich schneller erschöpft und müde. Etwa ein Drittel der Betroffenen hat zunächst jedoch keine spürbaren Beschwerden.

Häufig hören die Rhythmusstörungen innerhalb eines Tages von selbst wieder auf. Man spricht in diesem Fall von der paroxysmalen Form des Vorhofflimmerns. Häufen sich die Episoden, kann es zu einem andauernden Vorhofflimmern, der persistierenden Form, kommen.

Risiko Schlaganfall

Die vordergründig spürbaren Auswirkungen des Vorhofflimmerns mit den in der Tabelle (s. o.) aufgeführten Beschwerden sind in der Regel nicht lebensbedrohlich. Gefährlich wird es, wenn sich durch den gestörten Blutfluss in den Vorhöfen das Blut nicht mehr richtig vermischt und es verklumpt. Dann können sich Blutgerinnsel bilden. Lösen sich diese Gerinnsel, können sie als kleine Pfropfen mit dem Blutfluss weiter in den Blutkreislauf transportiert werden. Jetzt besteht die Gefahr, dass ein solcher Pfropf ein Blutgefäß verstopft. Geschieht dies bei einem gehirnversorgenden Blutgefäß, sind möglicherweise bestimmte Bereiche im Gehirn nicht mehr ausreichend mit Blut und Sauerstoff versorgt. Der Betroffene erleidet einen Schlaganfall oder Hirninfarkt. Mediziner sprechen auch von einer Thromboembolie.

Die Gefahr, infolge von Vorhofflimmern einen Schlaganfall zu erleiden, ist groß. Experten schätzen, dass 15 Prozent aller Schlaganfälle auf Vorhofflimmern zurückgehen. Hinzu kommt, dass Schlaganfälle, die durch Vorhofflimmern verursacht werden, meist besonders schwer verlaufen und häufiger zum Tod führen.

Das individuelle Schlaganfallrisiko bei Patienten mit Vorhofflimmern kann der Arzt mit Hilfe eines Punktesystems (sogenannte Scores) recht gut abschätzen. Dabei werden bestimmte Risikofaktoren wie das Alter des Patienten sowie vorliegende Grunderkrankungen mit Punkten bewertet (s. Tabelle). Je höher der errechnete Wert, desto höher das Risiko und desto dringlicher eine vorbeugende Therapie.

Score zur Risikoabschätzung eines Schlaganfalls
bei Vorhofflimmern

Herzschwäche (Herzinsuffizienz) 1
Bluthochdruck 1
Alter ≥ 75 Jahre 2
Diabetes mellitus 1
Vorangegangener Schlaganfall oder TIA* 2
Vorliegende koronare Herzkrankheit oder Gefäßkrankheit 1
Alter zwischen 65 und 74 Jahre 1
Weibliches Geschlecht (wenn älter als 65 Jahre) 1
0–1 Punkt   = geringes Risiko  
2 Punkte = mittleres Risiko  
≥ 3 Punkte = hohes Risiko  
* TIA = transitorische ischämische Attacke (vorübergehende Durchblutungsstörung des Gehirns)
Broschüre zum Thema
vorhof gr

Die Deutsche Seniorenliga hat in Kooperation mit Bayer Health Care eine Informations-broschüre zum Thema "Vorhofflimmern" herausgegeben.

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faktoren
Faktoren, die das Auftreten von Vorhofflimmern begünstigen
  • Alter über 65 Jahre
  • Bluthochdruck
  • Übergewicht
  • Rauchen
  • Übermäßiger Alkoholkonsum
  • Aufregung, Stress
  • Schlafmangel
  • Leistungssport
  • Zuckerkrankheit (Diabetes)
  • Überfunktion der Schilddrüse
  • Herzerkrankungen, z. B. Erkrankungen der Herzklappen, Entzündungen des Herzmuskels, Herzschwäche
beschwerden
Die häufigsten Beschwerden
  • Herzrasen
  • Brustschmerzen
  • Unruhe, Angst
  • Atemnot
  • Schwindel
  • Nachlassende Leistungsfähigkeit
  • Erschöpfung, Müdigkeit
blutgerinnsel

| Schlaganfall |

Durch den Gefäßverschluss ist die Blut- und Sauerstoffversorgung bestimmter Regionen des Gehirns schlagartig unterbrochen. Dies kann zu plötzlichen Funktionsverlusten in den betroffenen Hirnarealen führen.