Vorhofflimmern behandeln

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Ihr Arzt wird mit Ihnen die Ergebnisse der Diagnose besprechen und erläutern, welche therapeutischen Maßnahmen für Sie sinnvoll sind. Im ersten Schritt wird es darum gehen, mögliche auslösende Faktoren auszuschalten, Grunderkrankungen zu behandeln sowie die unmittelbaren Beschwerden wie Herzrasen, Brustschmerzen oder Atemnot zu lindern. Langfristiges Ziel ist es, einen Gefäßverschluss zu verhindern und damit Ihr Schlaganfallrisiko zu senken.

BehandlungszieleBehandlungsmaßnahmen
  • Behandlung des Vorhofflimmerns
  • Linderung der Symptome und Verbesserung der Lebensqualität
  • Behandlung möglicher Grunderkrankungen
  • Medikamente zur Kontrolle der Herzfrequenz
  • Medikamente zur Kontrolle des Herzrhythmus
  • Ggf. Ablationstherapie oder Rhythmuschirurgie
  • Vorbeugung von Schlaganfall
  • Medikamente zur Gerinnungshemmung
  • Herzgesunde Lebensweise, Reduzierung der Risikofaktoren für Schlaganfall

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

1. Medikamente zur Behandlung des Vorhofflimmerns

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Unregelmäßigkeiten des Herzschlags zu behandeln, so dass häufig über eine längere Zeit keine Beschwerden auftreten. Hierbei unterscheidet man zwei Behandlungsstrategien: erstens die Frequenzkontrolle, bei der die Herzfrequenz reguliert wird, und zweitens Maßnahmen zum Erhalt des Herzrhythmus.

Bei älteren Patienten und bei Patienten mit länger anhaltendem Vorhofflimmern (persistierendes Vorhofflimmern) wird häufig eine frequenzregulierende medikamentöse Behandlung in Erwägung gezogen. Zum Einsatz kommen hier Betablocker, Kalziumantagonisten oder Digitalisglykoside, die ggf. auch in Kombination verordnet werden. Die rhythmuserhaltende Therapie hat das Ziel, das Flimmern der Vorhöfe so weit zu unterdrücken, dass der Herzrhythmus wieder durch den Sinusknoten vorgegeben wird. Die Medikamente, die dies bewirken, heißen Antiarrhythmika.

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Bei anfallartigem Vorhofflimmern kann mittels Stromstoß der normale Sinusrhythmus wiederhergestellt werden. Man bezeichnet diese Behandlungsform als elektrische Kardioversion. Der Patient bekommt dafür eine kurze Narkose und steht unter EKG-Kontrolle.

2. Schlaganfallvorbeugung durch gerinnungshemmende Medikamente

Zweites Behandlungsziel ist die Vorbeugung eines Schlaganfalls. Dafür gibt es Medikamente, die die Gerinnungsfähigkeit des Blutes herabsetzen und so die Ausbildung von Blutgerinnseln verhindern sollen. Sie werden als Gerinnungshemmer bzw. in der Fachsprache als Antikoagulanzien bezeichnet.

Nicht alle Patienten mit Vorhofflimmern benötigen Medikamente zur Schlaganfallprävention. Ihr Arzt wird daher zunächst Ihr Schlaganfallrisiko abschätzen. Bewährt hat sich dabei ein Punktesystem (sogenannte Scores), bei dem bestimmte Risikofaktoren, u. a. das Alter sowie vorliegende Herz- und Gefäßerkrankungen, mit Punkten bewertet werden (s. Tabelle unten). Sollten Sie ein erhöhtes Schlaganfallrisiko haben, wird Ihr Arzt die Therapie mit gerinnungshemmenden Tabletten empfehlen. Sehr wahrscheinlich werden Sie die Medikamente nun lebenslang einnehmen müssen.

Score zur Risikoabschätzung eines Schlaganfalls bei Vorhofflimmern

Herzschwäche (Herzinsuffizienz) 1
Bluthochdruck 1
Alter ≥ 75 Jahre 2
Diabetes mellitus 1
Vorangegangener Schlaganfall oder TIA* 2
Vorliegende koronare Herzkrankheit oder Gefäßkrankheit 1
Alter zwischen 65 und 74 Jahre 1
Weibliches Geschlecht (wenn älter als 65 Jahre) 1
0–1 Punkt   = geringes Risiko  
2 Punkte = mittleres Risiko  
≥ 3 Punkte = hohes Risiko  
* TIA = transitorische ischämische Attacke (vorübergehende Durchblutungsstörung des Gehirns)

Derzeit stehen zwei verschiedene Wirkstoffgruppen zur Schlaganfallvorbeugung bei Vorhofflimmern zur Verfügung: neue orale Antikoagulanzien (NOAK), auch direkte Antikoagulanzien (DOAK) genannt, und Vitamin-K-Antagonisten (VKA).

Therapiekontrolle bei NOAK

Therapiekontrolle bei VKA

Sowohl bei NOAK als auch bei VKA gilt:

3. Nichtmedikamentöse Behandlung

Für manche Patienten reicht die medikamentöse Therapie nicht aus oder kommt aufgrund von Nebenwirkungen oder Vorerkrankungen nicht infrage. In diesen Fällen kann eine Ablationstherapie (Verödungstherapie) sinnvoll sein. Das schonendste Verfahren ist die Katheterablation. Dazu führt der Arzt einen speziellen Katheter in den linken Vorhof des Herzens ein und setzt darüber gezielt punktförmige Verödungsnarben ins Herzgewebe. Da das Narbengewebe die elektrischen Impulse nicht weiterleitet, werden so die Flimmerereignisse abgeschwächt. Es gibt unterschiedliche Ablationsverfahren. So ist eine Verödung mit Hochfrequenzstrom, mittels Kälte oder Laserlicht möglich.

Bei anhaltendem Vorhofflimmern ist der Erfolg einer Katheterablation mitunter begrenzt. Für diese Patienten kann eine Rhythmuschirurgie infrage kommen. Der operative Eingriff wird möglichst minimalinvasiv durchgeführt, d. h., der Chirurg benötigt nur einen wenige Zentimeter langen Schnitt an der Brustkorbseite. Darüber können Bereiche im Vorhof oder auch mit speziellen Ablationsklemmen die Lungenvenen verödet werden.

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Dank minimalinvasiver Operationstechniken erholen sich die Patienten nach dem Eingriff meist schnell und können nach wenigen Tagen das Krankenhaus wieder verlassen.

Für Patienten, bei denen eine Antikoagulation nicht möglich oder zu riskant ist, kann ein Vorhofohrverschluss erwogen werden. Bei der Operation wird das linke Vorhofohr, jene Ausstülpung, in der sich bei Vorhofflimmern bevorzugt Blutgerinnsel bilden, mit einer Naht oder einem Clip verschlossen.